Trägerwerk soziale Dienste

Fortbildungsveranstaltung der Jugendhilfe in der "Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau"

 

"Die Kinder und Jugendlichen sind so schlimm, die müsste man wegsperren-

die große Sehnsucht nach hochstrukturierten Einrichtungen."

                       

Am 24.03.2017 besuchten 33 Fachkräfte (ErzieherInnen und SozialpädagogInnen)  der Wohngruppen der TWSD in Sachsen GmbH die "Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau".

In Torgau befand sich der einzige Geschlossene Jugendwerkhof der DDR, eine Disziplinierungsanstalt für Jugendhilfe, die direkt dem Ministerium für Volksbildung und damit Margot Honecker unterstand. Während seines Bestehens vom 1. Mai 1964 bis zum 11. November 1989 wurden über 4.000 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren zur "Anbahnung eines Umerziehungsprozesses" eingewiesen, die in anderen staatlichen Erziehungseinrichtungen negativ aufgefallen waren. Doch hatten sie weder Straftaten begangen, noch gab es eine richterliche Anordnung für die Einweisung. Eiserne Disziplin und paramilitärischer Drill sollten eine Veränderung ihres Verhaltens bewirken, vor allem die Bereitschaft, sich den "sozialistischen Lebensnormen" unterzuordnen.

Im März 1998 wurde hier die "Erinnerungs- und Begegnungsstätte im ehemaligen Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau" eingerichtet, die sich seit 2009 "Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau" nennt.

Das Erziehungskonzept im Geschlossenen Jugendwerkhof folgte den allgemeinen Grundlagen sozialistischer Erziehung. Die besondere Aufgabe bestand darin, bei den Jugendlichen die Bereitschaft zur Umerziehung herzustellen. Sie sollte durch eine Art "Schocktherapie" erzeugt werden. Gemäß dem traditionellen Erziehungsmotto "Wer nicht hören will, muss fühlen!" sollte Einsicht einfach erzwungen werden.

Eiserne Disziplin und Orientierung auf Normen kennzeichneten das Erziehungskonzept. Ein ausgeklügeltes Kontrollsystem und strenge Bestrafung jeder noch so kleinen Verfehlung sicherten es ab. Den Jugendlichen blieb keinerlei Freiraum. Als Grundlage dieser Disziplinierung diente die Arbeitsordnung des Jugendwerkhofes Torgau. Auf 86 Seiten wurden darin die Tagespflichten bis ins Kleinste geregelt. Durch "Kleiderordnung", "Revierreinigungsordnung" oder "Sicherheitsordnung" war nahezu jeder Handgriff vorgeschrieben. Die Kollektiverziehung stand dabei stets im Mittelpunkt. Belobigt und bestraft wurde oftmals nicht der Einzelne, sondern die ganze Gruppe.

Im Kollektiv sollte Mitverantwortung für Disziplin und Ordnung übernommen werden. Dabei blieb die führende Rolle der Pädagogen jedoch unangetastet, eine inhaltliche Mitbestimmung der Jugendlichen gab es nicht. Es ging vorwiegend um formale Anpassung. Im Geschlossenen Jugendwerkhof führte das zu einer "Hackordnung", wie sie sonst vor allem aus dem Strafvollzug bekannt ist. Besonders die Kräftigeren und Brutaleren setzten sich durch.

Nach einer Führung durch die Gedenkstätte  schloss  sich ein moderiertes Zeitzeugengespräch an.

Herr Alexander Müller als Betroffener berichtete  aus seiner Biographie über seine  Zeit in der DDR-Heimerziehung und die Folgen für seinen persönlichen Lebensweg. Die Zuhörerinnen und Zuhörer hatten danach die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Sehr betroffen und emotional aufgewühlt begannen sofort die Gespräche zwischen den Kollegen. Unfassbar beeindruckt von der ausgeübten strukturellen Gewalt, welche  in solch einer geschlossenen Einrichtung der Jugendhilfe durchgeführt wurde.

Interessant waren die Ausführungen des Herrn Alexander Müller auf die Frage, was haben Sie in dieser Einrichtung gelernt?                                                            

"Stark sein, und sich gegen jede Beeinflussung von Erwachsenen zu schützen."

 Quelle: http://www.jugendwerkhof-torgau.de

 

 

 

 

 

 

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